prosper Lausitz
Hintergrund
Der demografische Wandel, der Anstieg chronischer Erkrankungen, der wachsende technische Fortschritt, die drohende
ärztliche Unterversorgung in
ländlichen Gebieten – dies sind nur einige der Herausforderungen, die es im deutschen Gesundheitssystem zu bewältigen gibt. Die derzeitige
gesundheitspolitische Praxis trägt diesen Anforderungen insgesamt nur höchst unzureichend Rechnung, da die strikte institutionelle Trennung der
stationären und ambulanten Versorgung zu einer mangelnden Abstimmung von Behandlungsschritten und vielfältigen Brüchen im Versorgungsprozess führt.
Die prosper Gesundheitsnetze
Um diesen Problemen zu begegnen und gleichzeitig eine wirtschaftliche Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, setzte
die Knappschaft schon früh auf ein sektorenübergreifendes Versorgungsmodell. Bereits im Oktober 1999 startete das Pilotprojekt
in Bottrop, es folgten Netze im Saarland (2001), in Recklinghausen (2002), in Gelsenkirchen/Gladbeck (2006), in der Lausitz (2008)
sowie in Essen/Mülheim (2009). Seit 2005 ist auch die DAK Kooperationspartner der prosper Gesundheitsnetze.
prosper Lausitz
Im Jahr 2008 gründete sich das sektorenübergreifende Integrationsversorgungsmodell prosper Lausitz, um durch die Verzahnung
von ambulanter und stationärer Versorgung eine qualitativ hochwertige und gleichzeitig wirtschaftliche Versorgung sicherzustellen.
Mittlerweile besteht das Netz aus 284 niedergelassenen Haus- und Fachärzten sowie dem Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus,
dem Krankenhaus Spremberg und dem Klinikum Niederlausitz. Gemeinsam werden ca. 24.000 Knappschaftsversicherte und ca. 8.600 DAK Versicherte versorgt.
Zur Optimierung des Behandlungsablaufs treffen sich die Ärzte beider Sektoren regelmäßig in Arbeitsgruppen, Qualitätszirkeln
oder der Netzwerkkonferenz und definieren gemeinsam ein standardisiertes Vorgehen bei der Behandlung häufiger Krankheiten wie z.B.
Hypertonie, Diabetes, Schädel-Hirn-Trauma. Alle Ärzte im Netz behandeln nach diesen Behandlungspfaden und stimmen sich intensiv
untereinander ab. Durch die so vermiedenen Doppeluntersuchungen und Krankenhauseinweisungen, kürzere Verweildauern aufgrund eines
qualifizierten Überleitungsmangements sowie eine wirtschaftliche Arzneimittelverordnung werden Einsparungen erzielt, von denen Ärzte,
Krankenhäuser, Krankenkassen und die Versicherten profitieren.
Die Netzstruktur des Gesundheitsnetzes prosper Lausitz
Das Gesundheitsnetz prosper Lausitz besteht aus zwei Organen, der Netzwerkkonferenz und dem Netzvorstand. Mitglieder der
Netzwerkkonferenz sind alle an prosper teilnehmenden, niedergelassenen Ärzte. Der Vorstand besteht aus insgesamt zehn Vertretern
der ambulanten Ärzte, der Krankenhäuser, der Knappschaft-Bahn-See, der DAK sowie der KV Brandenburg. Im Netzvorstand werden u.a.
Vorschläge zur Verbesserung des Gesundheitsnetzes, Vorentscheidungen vorzuschlagender Arzneimittel- und Therapieempfehlungen sowie
Vorschläge zur Verteilung der Aufwandsentschädigung erarbeitet.
Organisatorisch unterstützt werden die an prosper Lausitz teilnehmenden Ärzte durch die Netzwerkkoordination bestehend aus
Vertretern der Knappschaft-Bahn-See, der DAK sowie der KV Consult- und Managementgesellschaft mbH (KV COMM). Sie organisiert,
protokolliert und bereitet die verschiedenen Veranstaltungen, wie z.B. die monatlich stattfindenden Netzvorstandssitzungen, die
Netzwerkkonferenzen und Arbeitsgruppentreffen vor und nach. Die Netzwerkkoordination unterstützt den Netzvorstand bei der Umsetzung
beschlossener Maßnahmen.
Die Besonderheit des Gesundheitsnetzes prosper Lausitz gegenüber anderen prosper-Netzen ist die vertragliche Einbindung der KV COMM,
einer Dienstleistungsgesellschaft der KV Brandenburg. Dem Wunsch der teilnehmenden Ärzte nach einer Interessenvertretung außerhalb des
Kollektivvertrags konnte somit Rechnung getragen werden. Zusätzlich zu den Aufgaben der Netzwerkkoordination übernimmt die KV COMM die
Prüfung von Vertragsänderungen bzw. Vertragsergänzungen für die Netzärzte sowie die Beratung der Ärzte zur Weiterentwicklung des Netzes. Als Dienstleistungsgesellschaft der KV Brandenburg verfügt die KV COMM über ein umfangreiches Wissen im Kollektivvertragsbereich. Gepaart mit den Erfahrungen bei der Betreuung von Ärztenetzen und den Kenntnissen im Selektivvertragsbereich dient die KV COMM den teilnehmenden Ärzten als eine verlässliche Stütze bei der Weiterentwicklung des prosper-Modells und kann so ihrer Moderatorenrolle zwischen Ärzten und Krankenkassen gerecht werden.
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